

Mit Hitlers Ankündigung in Saarbrücken am 9.10.1938, die Städte Aachen und Saarbrücken ebenfalls hinter eine Bunkerlinie des Westwalls zu bringen, knüpfte er an den abschreckenden Erfolg seiner Ankündigung vom 12.9.1938 in Nürnberg an, dort vom „gigantischste[n] Befestigungswerk aller Zeiten“ gesprochen zu haben, womit er den Ausbau der Westbefestigungen über die Sommermonate hinweg mit der selbst herbeigeführten Sudetenkrise erklärte.
Dabei hatte es gute Gründe gegeben, Saarbrücken auszusparen: Die Spicherer Höhen boten diesseits und jenseits der Grenze ausgezeichnete, hoch gelegene Beobachtungspunkte auf Befestigungsanlagen vor der Stadt. Der artilleristische Kampf wäre damit von Anfang an nicht zu gewinnen und Befestigungsanlagen vor der Stadt wären dadurch einer schnelleren Zerstörung ausgesetzt gewesen. Zudem hätte das Stadtgebiet schwere Schäden erleiden können, mit allen Folgen für Bewohner und Sachwerte.
Deshalb planten die Festungspioniere 1937 den Festungsabschnitt Besseringen-Holz und den Stellungsabschnitt Holz-Blieskastel, weit nach Norden an der Göttelborner Höhe verankert. Im Saartal war nur eine Sperrlinie vorgesehen, die direkt am Saarufer gelegen sehr subtil in die Stadt eingebaut wurde.
Jedoch, was 1939 kommen sollte, war alles andere als subtil: Man veränderte das gesamte Stadtgebiet südlich der Saar um Alt-Saarbrücken in eine potenzielle Kampfzone mit Betonbunkern am und hinter dem Stadtrand sowie Zugängen zu minierten Anlagen und Hohlgängen mitten in der Stadt. Letztere waren nötig, um die Bunker über umfangreiche Hohlgangsysteme trotz der gegnerischen Beobachtung und artilleristischen Überlegenheit mit Nachschub versorgen zu können. Damit kehrten doch wieder Elemente aus dem Festungskonzept zurück, die Hitler ein Jahr zuvor mit dem Limesbauprogramm noch verboten hatte.
Im Herbst 1938 fing der Bau schon rasch an: Es entstanden wahrscheinlich einige wenige Regelbauten 10 sowie ein kurzes vierzügiges Stück Höckerhindernis Typ 1938 südlich des Winterberges.
Erst mit der Einführung der 100er-Regelbauten ab Februar 1939 und des fünfzügigen Höckerhindernisses Typ 1939 nahm der neue Stellungsabschnitt Gestalt an. Das kurze Stück Höckerhindernis Typ 1938 wurde um vier weitere Züge ergänzt, unter Abschlagung des jeweils höchsten, bereits bestehenden Höckers in jeder zweiten Reihe (und existiert als Kuriosum noch heute).
Es ist eigentlich verwunderlich, warum dieser Stellungsabschnitt nicht einfach propagandistisch wirksam als „Vorstellung Saarbrücken“ benannt wurde, ähnlich wie die zeitgleich ausgebaute „Vorstellung Aachen“. Offensichtlich war das Zeigen von Bunkern und Kampfwagenhindernissen zwischen der Stadt und der französischen Grenze zwar wichtig, aber vielleicht wäre der erwartbare Verlust dieses Abschnitts sonst auch der einer ganzen „Stellung“ gleichgekommen. Topologisch und taktisch betrachteten die Festungspioniere den Abschnitt als Teil der Saarstellung, die nach Westen jetzt von Saarbrücken bis Beckingen ebenfalls ausgebaut wurde. Der neue Flügel nach Osten im Abschnitt Brebach-Blieskastel gehörte ebenfalls dazu.
Der Bau wurde auch nach Kriegsanfang im Herbst 1939 fortgesetzt, aber die verbaute Typologie lässt auf nur wenige Ergänzungen aus den „Kriegsregelbauten“ schließen. Bis zum Sommer 1940 wurden die zahlreichen Hohlgangsprojekte nicht mehr fertig gestellt und erreichten in nur wenigen Fällen halbwegs nutzbare Verbindungen. Aus Sorge um Schäden im Stadtgebiet wurden die vorgetriebenen Stollen noch bis weit in das Jahr 1940 hinein betoniert. Sie bewährten sich ab 1941 dann für einen ganz anderen Zweck: im Luftschutz.
Im Luftkrieg wurden große Teile der Innenstadt zerstört, aber während der Kämpfe 1944 und 1945 blieben Kampfhandlungen in diesem Abschnitt weitgehend aus.
Nach dem Krieg wurden die meisten Bunker gesprengt, doch Bunker direkt zwischen Häusern blieben in vielen Fällen bis heute erhalten. Nur die Höckerlinie wurde zum größten Teil zerstört, indem die Höcker abgesprengt wurden. Nur in der Mitte vor dem Winterberg und westlich des Tabaksweihers blieb ein langes Stück erhalten.
Auch die bereits betonierten Hohlgänge blieben erhalten und wurden während des Kalten Krieges nach und nach in Zivilschutzanlagen umgewandelt. In diesem baulichen Zustand sind sie noch heute.
Am westlichen Ende des Abschnitts wurde die Ruinenlandschaft mit der gesprengten Höckerlinie und den mehr oder weniger stark gesprengten Bunkern zur Bundesgartenschau 1960 für den Bau des Deutsch-Französischen Gartens (DFG) in eine weitläufige, perfekte Parklandschaft umgewandelt. Die Fundamente der Höckerlinie verschwanden unter Promenaden und Rasenflächen (worin sie im Sommer 2026 (1) wieder sichtbar wurden), die Bunker wurden entweder übererdet oder mit ihrer originalen Tarnputzschicht wie künstliche Felsen in den Bewuchs integriert. Eigentlich ist der DFG noch heute eine unausgesprochene Westwallmuseumslandschaft, die trefflich illustriert, wie die junge Bundesrepublik mit der NS-Vergangenheit umging: Sie versteckte oder ignorierte sie.
Auch weiter nach Osten wurden die Bunkerruinen übererdet, aber die intakten Bunker wurden in das Stadtleben integriert, unter Bebauung oder in Gärten. Im „Naherholungsgebiet Almet“ ist die Höckerlinie im Gebüsch weiterhin präsent. Im „Galgendell“ und am Friedhof St. Arnual ist jeweils eine Panzerabsturzmauer erhalten geblieben. Am östlichen Ende des Abschnitts wurde 2017 ein intaktes Stück Höckerlinie Typ 1939 freigeschnitten und bis heute freigehalten.
Man könnte die gesamte Trasse der ehemaligen „Kampfwagenhindernisse“ vom DFG bis nach St. Arnual als vielfältigen Themenweg des künftigen "Landschaftsparks Almet" gestalten, in dem NS-Epoche, Festungsbau, Stadtplanung, Natur- und Artenschutz einen gut erklärten Platz finden. Das wäre nicht nur ein Angebot an die Nachbarschaft, sondern das würde auch den touristischen Standort Saarbrücken stärken. Man kann hier auf 7 km wandern, joggen, Rad fahren, mal neben, mal über die Höckerlinie, und am Ende bringt einen die Buslinie 126 wieder zum Anfang zurück.
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1) 6707_Objektnr_9333_Hoeckerhindernis_Typ_1939__Saarbruecken_DFG.pdf
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