Mit dem Limesprogramm (genauer: Limesbauprogramm) schuf das NS-Regime eine abschreckend wirkende Befestigungszone an der Westgrenze des Deutschen Reiches, vor allem gegenüber Frankreich. Sie reichte von der Schweizer Grenze bis nördlich von Aachen.
Auslöser war die Sudetenkrise von 1938 – ein Vorgang, der in mancher Hinsicht Parallelen zur Donbass-Krise von 2014 aufweist. Das NS-Regime schürte gezielt Unruhe innerhalb der deutschsprachigen Minderheit der Sudetendeutschen in den Grenzgebieten der Tschechoslowakei, um einen Vorwand für einen Krieg gegen das Land zu schaffen. Ziel war die Ausschaltung der Tschechoslowakei als demokratisch regierter, multiethnischer Staat, den Hitler als erstes Opfer auf dem Weg zur Eroberung von „Lebensraum im Osten“ betrachtete. Die Zerstörung dieses Staates und die Ausschaltung seiner Streitkräfte waren eine wichtige Voraussetzung für die folgenden Eroberungs- und Vernichtungskriege gegen Polen und die Sowjetunion.
Als die tschechoslowakische Armee im Mai 1938 mobilisierte, wurden Hitler und die Wehrmacht im Verlauf dieser als „Maikrise“ bezeichnete Phase darauf aufmerksam, dass die seit 1936 im Bau befindlichen Westbefestigungen mit ihren kleinen und in manchen Abschnitten auch größeren Bunkern noch lange nicht fertiggestellt waren. Zudem würden sie Frankreich jetzt kaum davon abschrecken, seinem Bündnispartner Tschechoslowakei militärisch zu Hilfe zu kommen.
Daraufhin befahl Hitler ein umfangreiches, vollständig staatlich gelenktes Bauprogramm, das parallel zu den Aufgaben der Wehrmacht durchgeführt wurde. Innerhalb weniger Monate sollten bis Oktober 1938 insgesamt 10.800 Bunker errichtet werden. Die bereits beteiligten und zahlreiche weitere Bauunternehmen wurden dafür unter der Organisation Todt zusammengefasst, die beim Autobahnbau bereits Erfahrungen mit Großprojekten sowie dem Einsatz großer Mengen an Arbeitskräften und Beton gesammelt hatte. Bis zu 300.000 Arbeiter wurden dienstverpflichtet – in dieser Vorkriegsphase noch keine Zwangsarbeiter – und aus dem gesamten Reich für den Bunkerbau zusammengezogen.
Bis September 1938 waren zwar mehrere Tausend Bunker betoniert worden, doch nur wenige waren tatsächlich fertiggestellt. Dennoch ging von den weithin sichtbaren Bunkerbaustellen und den Höckerhindernissen bereits ein bedrohliches Signal aus. Verstärkt wurde dieser Eindruck durch den Reichsparteitag am 12. September 1938, auf dem Hitler seine Gebietsforderungen erneut bekräftigte und den Bau umfangreicher Befestigungsanlagen hervorhob.
Beides trug dazu bei, dass mit dem Münchner Abkommen vom 30. September 1938 das Sudetenland durch die britische und die französische Regierung dem Deutschen Reich zugesprochen wurde – ohne die tschechoslowakische Regierung an den Verhandlungen zu beteiligen. Damit hatte Hitler sein erstes strategisches Ziel erreicht.
Erst in den darauffolgenden Monaten setzte sich unter den Arbeitern die Bezeichnung „Westwall“ für das Bauprojekt durch.