Die Standortklassifizierung teilt Standorte von Bunkerruinen, Bunkern und anderen Relikten ein nach ihrer Nähe zu Ortschaften und Wegen und hilft so bei der Einschätzung, welchen Verkehrssicherungsbedarf mit welchen Verkehrssicherungsmaßnahmen gedeckt werden müssen, damit Unfallrisiken möglichst minimiert werden, jedoch die Belange des Denkmals und des Artenschutzes ebenfalls gewahrt bleiben. Die Definitionen und Gedanken dahinter:

Klasse Beschreibung
1 Vor allem verhindern, dass unbegleitete Kinder und Jugendliche Bunkern und Bunkerruinen betreten. Deshalb gelten Standorte in Ortschaften und in einem Puffer von 500 m davon entfernt als Klasse 1 und haben den höchsten Verkehrssicherungsbedarf.
2 Standorte außerhalb der Puffer in Sichtweite (in der laubarmen Zeit) von Straßen, Wegen und Pfaden werden als Klasse 2 eingestuft. Hier wird ein abgestufter Verkehrssicherungsbedarf angenommen und wird gegen unbeabsichtigtes Betreten von Gefahrenbereichen, wie Ränder mit Armierungseisen, Trümmer und Absturzhöhen, geschützt, indem diese sichtbar "abgeschirmt" werden. Das kann ein Warnschild oder ein aus der Ferne unauffälliges Stahlgeländer (das nicht als Absturzsicherung dient) sein, aber auch die Pfosten, die bewusst nach dem Abbau eines Mascheindrahtzauns zurück bleiben. Hier wird auf die Eigenverantwortlichkeit von Erwachsenen gesetzt, die sich auf eigene Gefahr und Haftung über die abschirmenden Maßnahmen hinweg setzen.
Die Annahme: Ein Betreten durch Jugendliche, aber auch durch Erwachsene, kann hier durch keine mit Denkmal und Artenschutz verträgliche Sicherungsmaßnahme auf Dauer und immer gesichert verhindert werden, aber es wird vorausgesetzt, dass diese erkennen, dass hier Gefahren bestehen. Es wird außerdem vorausgesetzt, dass Kinder in Begleitung von Erwachsenen verkehren, die Erwachsenen die abschirmenden Maßnahmen erkennen und Kinder beaufsichtigen.
Schwerwiegende, schlecht erkennbare Gefahrenstellen, wie Spalten oder Schächte werden abgedeckt.
3 Alle übrigen Standorte gelten als abgelegen in einer Klasse 3. Hier wird der kleinste Verkehrssicherungsbedarf vorausgesetzt und wenn Gefahrenbereiche klar erkennbar sind, wird hier keine Maßnahme implementiert.
Ist ein Gefahrenbereich nicht klar erkennbar, wird dieser abgeschirmt. Schwerwiegende, schlecht erkennbare Gefahrenstellen, wie Spalten oder Schächte werden abgedeckt.

 

 

 

 

-Neuste Beiträge-

Matrix der Verkehrssicherungsmaßnahmen

- in Arbeit - 

Die "Untertabelle bu_AktuelleVerkehrssicherung" unter Monitoring: Metadaten zeigt, welche Maßnahmen zur Sicherung von Bunkern, Bunkerruinen und anderen Relikten bislang im Monitoring erhoben wurden. Nicht alle davon würde man heute weiterhin anwenden. Unter Verkehrssicherungsmaßnamen im Vergleich werden frühere und aktuelle Maßnahmen bewertet.

Diese Seite beschreibt eine Matrix, die anhand der Standortklassifizierung (ortsnah, wegesnah, abgelegen) auflistet, welche Instrumente in der "Werkzeugkiste" zur Verfügung stehen. Das macht es leichter, Maßnahmen vorzuschlagen und diese strukturiert und konsequent wiederholbar einzusetzen. Maßnahmen können kombiniert werden.

 

 Maßnahme Ortsnah  Wegesnah  Abgelegen
 Stabmattenzaun    
 Gittertür (fest abgesperrt)    
 Reparatur Maschendrahtzaun  
 Abbau Maschendrahtzaun  
 Warnschild/er  
 Rostbraunes Stahlgeländer (keine Absturzsicherung)  
 Baustahlmatten (zur Abdeckung von Einspülungen, nicht zur Vergitterung)  
 Gittertür (für niedrige Eingänge, nicht abgesperrt)  
 Gittertür (für hohe Eingänge, mit Schlupf)  
 - Keine Maßnahme - (schließt alle andere aus)  
       

 

Patrice Wijnands - VEWA e.V.

Wer möchte Bunker zeichnen?

In der BAMA liegen sogenannte „Abrechnungszeichnungen“ von Bunkern der Neckar-Enz-Stellung aus den Abschnitten Ja (Jagstfeld) und Ko (Kochendorf). Viele dieser Bauwerke existieren heute nicht mehr oder sind nicht mehr zugänglich. Die Zeichnungen bieten jedoch nicht nur einen Einblick in die typologische Formenvielfalt des Befestigungsbaus im Übergang von der Reichswehr zur Wehrmacht, sondern auch in den mitunter nahezu künstlerischen Anspruch der damaligen Zeichner.

DSC09405.JPG

Die Neckar-Enz-Stellung ist die älteste „Bunkerlinie“ in der heutigen Bundesrepublik. Sie entstand in einer Phase, in der das Deutsche Reich seine militärischen Fähigkeiten für kommende Eroberungskriege noch aufbaute und bestehende Verteidigungskonzepte der Weimarer Republik baulich umsetzte.

Diese Bauwerke sind Teil des Kulturdenkmals „Westbefestigungen“ und somit denkmalgeschützt. Umso wichtiger ist es, für sie aussagekräftiges Dokumentationsmaterial anzulegen, in dem Grundriss, Typologie, Geschichte und heutiger Zustand zusammengefasst werden. Diese Daten fließen in die Denkmaldatenbanken ein und können bei Interessenkonflikten mit anderen Belangen angemessen berücksichtigt werden. Dies ist ein wesentlicher Beitrag zum dauerhaften Erhalt.

Ein wichtiger Schritt ist die Digitalisierung der Grundrisse in ein CAD-fähiges Format, um sie in vereinfachter und verständlicher Form darzustellen. Wer hierbei mitarbeiten möchte, kann sich gerne bei mir melden. Auf Anfrage stelle ich auch einzelne Zeichnungen zur Verfügung.

DSC09437_-_Kopie.JPG

Wer sich mit Luftschutzanlagen befassen möchte: Im MARCHIVUM befinden sich zahlreiche Pläne der Mannheimer Hochbunker und LS-Räume, viele davon bereits digitalisiert. Auch hier ist die Erstellung verständlicher CAD-Pläne mit Darstellung des aktuellen Zustands ein wichtiger Beitrag zur Dokumentation und zum langfristigen Erhalt.

Software-Empfehlungen

Windows:

  • GStarCAD: Sehr leistungsfähig und funktionsreich (2D und 3D), an AutoCAD angelehnt und vollständig DWG-kompatibel. Kostenlose Testversion verfügbar, für den professionellen Einsatz sehr gut geeignet: https://www.gstarcad.de/
  • QCAD: Eingeschränkte Funktionalität, gewöhnungsbedürftige Bedienung, keine DWG-Unterstützung.

Weitere Optionen:

  • TinkerCAD, FreeCAD, LibreCAD (letzteres mit DWG/DXF-Unterstützung). Eingeschränkte Funktionalität, aber für den Einstieg geeignet.

Android:

  • CadMate: Für das Zeichnen auf dem Tablet geeignet. Übersichtlich, auf das Wesentliche beschränkt, leicht erlernbar und DWG-kompatibel.

 

 

Patrice Wijnands - VEWA e.V.

 

Vorschlag zur Anpassung von Sicherungsstrategien an Stollen- und Bunkeranlagen

Plädoyer für rational angemessene Sicherungsmaßnahmen an erhaltenen Bauwerke mit erhöhter Anziehungskraft

 

Ausgangslage

Eine Maximierung der Schließzeiten an Stollen- und Bunkeranlagen liegt im Interesse aller Beteiligten. In der Praxis zeigt sich jedoch zunehmend, dass bestehende Sicherungsmaßnahmen an solchen Bauwerken – insbesondere Gitter, Gittertüren, Fledermaustore und Betonplomben – verstärkt Ziel von Einbrüchen und Vandalismus werden.

Betroffen sind insbesondere erhaltene Anlagen, die aus Gründen der Verkehrssicherung mit folgenden Maßnahmen gesichert wurden:

  • fest installierte Gitter oder Gittertüren,
  • Fledermaustore,
  • Betonplomben oder Vermauerungen.

In den letzten Jahren häufen sich dabei folgende Schadensbilder:

  • Durchsägen von Gittern,
  • Herausreißen von Fledermaustoren aus den Verankerungen,
  • Ausbohren von Betonplomben,
  • Durchschlagen von Vermauerungen,
  • Aufbrechen von Gittertüren oder Zerstörung der Schließzylinder.

Problemanalyse

Solche Beschädigungen führen regelmäßig zu einem monate­langen Ausfall der Sicherungswirkung, da Zuständigkeiten geklärt, Mittel bereitgestellt und Reparaturen organisiert werden müssen. In dieser Zeit besteht unkontrollierter Zugang zu den Anlagen.

Dies hat mehrere problematische Konsequenzen:

  • Zugang nicht nur für Erwachsene, sondern je nach Lage auch für Jugendliche und Kinder,
  • erhöhte Unfall- und Haftungsrisiken für Eigentümer,
  • langfristige Schädigung der Bauwerke selbst.

Diese Praxis ist weder aus Sicht der Verkehrssicherung noch des Denkmal- oder Naturschutzes sinnvoll. Der VEWA e. V. verurteilt entsprechende Eingriffe ausdrücklich als Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch.

Bewertung der bestehenden Sicherungsstrategie

Die bislang verbreitete Strategie der „maximalen Widerstandsfähigkeit“ erweist sich zunehmend als ungeeignet:

  • Sie hält den heute angewandten Einbruchsmethoden nicht stand.
  • Reparaturen sind technisch aufwendig und kostenintensiv.
  • Das eigentliche Ziel – Schutz vor Gefahren – wird verfehlt, da nach Zerstörungen über lange Zeiträume keinerlei Sicherung besteht.
  • Haftungsrisiken für Eigentümer werden faktisch erhöht statt reduziert.

Vorschlag: Rational angemessene Sicherung

Statt maximal widerstandsfähiger Sicherungen wird vorgeschlagen, Sicherungsmaßnahmen rational angemessen auszulegen. Ziel ist es, eine schnelle, kostengünstige und unbürokratische Wiederherstellung der Sicherungsfunktion zu ermöglichen.

Mögliche Maßnahmen sind:

  • Beschädigte Schließzylinder und Gittertüren nicht instand zu setzen, sondern mit einer einfachen Kette und einem kostengünstigen Hängeschloss zu sichern, das erkennbar schwächer ist als die Tür selbst und leicht ersetzt werden kann.
  • Aufgebrochene Plomben und Vermauerungen durch Gitter oder Gittertüren zu ersetzen und diese ebenfalls nur einfach mit einer Kette und einem Hängeschloss zu sichern.
  • Gittertüren an abgelegenen Standorten so auszuführen, dass unterhalb der Tür ein begrenzter Durchlass verbleibt, der ein gewaltsames Zerstören der Tür unattraktiv macht (teilweise bereits gängige Praxis).
  • Gitter an abgelegenen Orten nicht dauerhaft starr zu befestigen, sondern so auszuführen, dass die Grenze zum Gefahrenbereich klar erkennbar ist, die Sicherung jedoch mit geringem Aufwand und ohne Schaden geöffnet werden kann (teilweise bereits umgesetzt).
  • Fledermaustore an abgelegenen Standorten außerhalb der Nutzungszeiten (z. B. Sommerhalbjahr) zeitweise unverschlossen zu lassen, sofern naturschutzfachlich vertretbar.
  • Eine zielgruppengeeignete, auf den Standort zugeschnittene Komunikation durch die Eröffnung eines Dialoges durch:
    • Anbringung von QR-Codes mit Kontaktdaten einer Ansprechperson oder eines Vereins, der Kontext vermittelt und ggf. einen legalen, zerstörungsfreien Zugang ermöglicht.
    • Nutzung freiwilliger Haftungsfreistellungen, auch wenn deren juristische Wirkung begrenzt ist.
    • Der QR-Code kann zudem zu einer guten, öffentlich zugänglichen Dokumentation führen, der mit Texten, Fotos, Videos, Grundriss und 3D-Modellen Kontext vermittelt und den Begehungsdruck zusätzlich senkt.

 

Zielsetzung

Ziel dieser Strategie ist es,

  • Sicherungsmaßnahmen langfristig gesellschaftlich akzeptabel zu gestalten,
  • eine dauerhafte und realistische Sicherungswirkung zu erzielen,
  • und die Haftungsrisiken für Eigentümer im Gesamtbild zu reduzieren.

Eine Abkehr von maximaler Widerstandsfähigkeit hin zu rationaler Angemessenheit stellt aus fachlicher Sicht einen praktikablen, wirtschaftlichen und sicherheitsrelevanten Ansatz dar.

 Patrice Wijnands - VEWA e.V.

 

 

 

Infotafeln

Wenn denkmalgeschützte Reste eines Westwallbunkers warum auch immer entfernt werden müssen, ist eine Infotafel eine oft angewandte Auflage. Die trägt dazu bei, dass das Thema "Westwall" und seine Verflechtung mit der NS-Ideologie besser bekannt wird und NS-Propagandamythen hinterfragt werden.

Ort: Landesgartenschaugelände, Neuenburg am Rhein, seit 2022.

DSC08153.JPG

DSC08154.JPG

 

Patrice Wijnands - VEWA e.V.

 

Tag des offenen Denkmals 2025: Hochbunker Irisweg

Am Tag des offenen Denkmals 2025 wurden in 12 Führungen 353 BesucherInnen durch den Hochbunker bzw. Zivilschutzanlage Irisweg in Karlsruhe geführt.

Besucherzahlen_Hochbunker_Irisweg_Tag_des_Offenen_Denkmals_2025.jpg

Wer den Bunker besuchen möchte, schreibt bitte ins Kontaktformular.

Patrice Wijnands - VEWA e.V.

 

DSC03027.JPG

DSC03091.JPG


 📬 Kontakt   📄 Impressum  🔒 Datenschutzerklärung