Der Vorstand

1. Vorsitzender: Alexander Stein
2. Vorsitzenden: Patrice Wijnands und Jörg Hagenbuch

Schriftführer: Peter Schreib
Schatzmeister:

Beisitzer: Günther Wagner, Schorsch Dietz

Bunkerkauf

Am besten schützt der Besitz: Erfahrungen mit dem Kauf eines Bunker-Grundstücks, mit der Übertragung eines Bunkers aus dem Besitz der Bundesrepublik und der Neu-Einzäunung

Einleitung: Zwar scheint zumindest in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg die große Zeit der Bunker-Beseitigungen vorbei zu sein. Aber vor allem in Nordrhein-Westfalen ist die Situation nach wie vor bedrohlich. Zudem gibt es Einzelfälle, in denen private Grundstücksbesitzer oder Gemeinden aus Unbedarftheit oder Desinteresse Bunker zuschütten. Deshalb gilt auch hier der Grundsatz des National Trusts, einer Natur- und Denkmalschutzorganisation in Großbritannien mit über einer Million Mitgliedern: Am besten schützt der Besitz. Die folgenden Ausführungen sind als Tipps für Einzelpersonen, Vereine, aber auch Gemeinden gedacht, die Bunker übernehmen oder zumindest durch den Erwerb von Bunkergrundstücken eine Beseitigung erschweren oder unmöglich machen wollen.

Zum VEWA-Bunker: Es handelt sich um einen gut erhaltenen Regelbau 10. Das an sich ist nichts Besonderes. Aber es ist der einzige von einst mindestens 300 Bunkern zwischen Oberotterbach und Steinfeld, der noch vorhanden ist. Wir erfuhren Ende 2004 zufällig, dass der Grundstücksbesitzer beim Bundesvermögensamt einen Antrag auf Neueinzäunung gestellt hatte. Damals war noch nicht auszuschließen, dass der Bagger kommt. Zudem wollten wir an einem Beispiel die ganze Prozedur durchziehen: Geländekauf, Bunkerübertragung, Sicherung. Ein Präzedenzfall also. Von den dabei gemachten Erfahrungen sollen auch andere Interessenten profitieren. Deshalb gehen wir ausführlich auf diese Aktion ein.

Rechtliche Situation: Die Bunker befinden sich meist im Sondereigentum der Bundesrepublik. Das bedeutet: Der Grundstückseigentümer ist nicht Besitzer des Bunkers und trägt deshalb auch keine Haftung für Unfälle, die sich in dem Bunker ereignen. Das geht auch klar aus dem Übereignungs-Vertrag hervor, den die VEWA mit der BIMA geschlossen hat. Das ist sehr wichtig, denn von interessierter Seite wurde immer wieder - gegen besseres Wissen - das Gegenteil behauptet.

Grundstückskauf: Wer ein Grundstück besitzt, auf dem ein Bunker liegt, kann den Leuten der BIMA unseres Wissens das Betretungsrecht nicht verweigern. Anders dürfte es beim Befahren eines Privatgrundstücks mit schwerem Gerät aussehen. Präzedenzfälle sind uns nicht bekannt. Falls jemandem ein solcher Fall bekannt wird, bitten wir um sofortige Information. Dann nämlich sollten sich alle Bunkerfreunde zusammentun und den Grundstücksbesitzer bei seinem juristischen Vorgehen gegen die Behörde finanziell unterstützen. Die Koordination könnte die VEWA übernehmen. Wichtig wäre es dann auch - wie bei allen angestrebten Bunkerbeseitigungen - Kontakt zur örtlichen Presse aufzunehmen und die Sache an die Öffentlichkeit zu bringen. Da Bunker heute meist in Gebieten mit niedrigen Bodenwerten zu finden und Bunkerstandorte nicht nutzbar sind, dürfte die Kaufsumme für das Gelände meist relativ gering sein. Teurer wird es, wenn ein großes Grundstück geteilt werden muss. Im Falle des VEWA-Bunkers beliefen sich die Vermessungskosten deshalb auf rund 1050 Euro. Dazu kamen noch Gebühren für den Eintrag ins Grundbuch und anderes (rund 200 Euro) und die Notarkosten (rund 80 Euro). Nach bisherigen Erkenntnissen ist es übrigens wesentlich leichter einen Bunker zu übernehmen, wenn der Antragsteller im Besitz des Grundstücks ist.

Bunkerübertragung durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA): Die erwies sich -entgegen vieler Befürchtungen - als unproblematisch. Die BIMA wollte einen Grundbuchauszug und einen Lageplan des Grundstücks sowie die Eintragung einer beschränkt persönlichen Dienstbarkeit ((durch die sich der Bund seiner Haftung entledigt!!!). Kosten: etwa 100 Euro. Die BIMA überwies uns dann anstandslos 3800 Euro, was 70 Prozent der Kosten für die Beseitigung sein sollen. Wir meinen zwar, dass eine Beseitigung teurer gekommen wäre, können das aber nicht beweisen. Mitte 2005 haben wir den Antrag gestellt, im Dezember 2005 war alles abgewickelt. Die Dauer lag nicht an der BiMa,
sondern daran, dass andere Behörden diverse Bescheinigungen wollten, bevor sie uns die Schriftstücke ausgestellt haben, die die BiMa wollte.

Sicherung des Bunkers: Wir haben den VEWA-Bunker neu eingezäunt, obwohl uns die Notwendigkeit nicht so recht einsichtig war. Aber auch hier ging es uns darum, praktisch herauszufinden, wie hoch der finanzielle und arbeitsmäßige Aufwand ist. Die Vorarbeiten (Beseitigung von störendem Bewuchs, Graben der Löcher für die Betonfundamente der Zaunpfosten) haben vier bis fünf Mann an vier Tagen erledigt. Ein Schlosser, Vater eines VEWA-Mitglieds, übernahm dann den Part, an dem wir wohl gescheitert wären oder Pfusch gemacht hätten. Inklusive Material kostete uns das rund 3000 Euro. Eine gute Investition, denn nun haben wir einen stabilen, professionell gemachten Zaun, wie es sich für einen vorzeigbaren Präzedenzfall gehört. Versicherung: Für die Haftpflichtversicherung zahlen wir 60 Euro pro Jahr.

Fazit: Eine Bunkerübernahme ist machbar, wenn der Wille dazu vorhanden ist. Weitere Fragen zu dem Thema beantworten wir gern.

Die Aktivitäten

Das ursprüngliche Ziel, den Abbruch von Bunkerruinen zu stoppen wurde ein Jahr nach der Gründung des Vereins erreicht. Seitdem beteiligt sich der VEWA aktiv an Diskussionen und Maßnahmen um vernünftige Verkehrssicherungsmaßnahmen an Bunkerruinen zu etablieren.
Zudem ging es von Beginn an auch um die Erforschung der Reste des Westwalls. Diese erfolgte in erster Linie durch kleine Gruppen, die konsequent Teile der Befestigungslinie abgingen. Eine große Hilfe dabei war der Geologe Dr. Karl Ludwig, der amerikanische Luftbilder fachmännisch auswertete. Vorsitzender Dr. Backes dagegen konzentrierte sich - neben Begehungen - auf die Befragung von Zeitzeugen. In Kombination mit der Auswertung deutscher und amerikanischer Literatur sowie der Luftbilder konnte so für bestimmte Westwall-Bereiche ein umfassendes Bild vom Aussehen der Verteidigungslinie und der historischen Ereignisse gewonnen werden. Dr. Ludwig hielt im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der Ortsgruppe des Historischen Vereins der Pfalz zwei Vorträge in Bad Bergzabern. Der Besucheransturm überraschte die Organisatoren und belegt das breite Interesse am Westwall. In den Jahren 2005 und 2006 beteiligte sich der Verein zudem mit Führungen in Steinfeld und Oberotterbach am Tag des Offenen Denkmals. 2011 erschien das Buch "Leben und Sterben am Westwall".

Der Verein arbeitet eng mit der rheinland-pfälzischen Denkmalpflege zusammen. Günther Wagner, Besitzer des Westwall-Museums in Pirmasens-Niedersimten, der im Auftrag der Denkmalpflege die Westwall-Reste in Rheinland-Pfalz erfasst, ist Mitglied in unserem Verein. Für das eigentliche "Vereinsleben" blieb bei all diesen Aktivitäten bisher leider nur wenig Zeit. Erschwert werden regelmäßige Treffen auch dadurch, dass die Mitglieder eben nicht an einem Ort wohnen, wie es beispielsweise bei Sportvereinen der Fall ist. Immerhin konnten einige Exkursionen durchgeführt werden, wovon eine ins einzig erhaltene B-Werk im saarländischen Besseringen führte.

Die Mitglieder

Der Verein zur Erhaltung der Westwall-Anlagen hat derzeit 30 Mitglieder. Die meisten wohnen in Rheinland-Pfalz, einige in Baden und einer in Nordrhein-Westfalen. Darunter sind historisch Interessierte und Naturschützer. Dieses Bündnis der beiden Gruppen, das von Anfang an gewollt war (Bündelung der Kräfte!), funktioniert im Großen und Ganzen reibungslos. Der BUND-Landesverband Rheinland-Pfalz ist unserem Verein beigetreten, ebenso Mitglieder von Pollichia und Naturschutzverband Südpfalz (NVS). Der Mitgliedsbeitrag ist mit zwölf Euro bewusst niedrig gehalten, um wirklich jedem den Beitritt zu ermöglichen. Der VEWA ist kein elitärer Verein. Was bei uns zählt, sind Fachwissen und Einsatzbereitschaft. In unserem Verein wollen wir aber keine Leute, die extremistische Anschauungen vertreten. Das kommt auch in unserer Satzung klar zum Ausdruck.

Über den Verein

Vorgeschichte, Gründung und Widerstand gegen die Bunker-Beseitigungen

Der Verein zur Erhaltung der Westwall-Anlagen (VEWA) wurde am 18. Dezember 2003 auf Betreiben von Dr. Klaus Backes in Annweiler gegründet. Anlass waren die zuvor erfolgten Beseitigungen von drei Bunkerruinen bei Bruchweiler-Bärenbach und 14 auf Gemarkung Niederschlettenbach. Eine weitere angekündigte Aktion sollte 18 Bunker zwischen Pirmasens und Dahn betreffen. Zudem kam auf eine Anfrage im Mainzer Landtag im Oktober 2003 die Antwort, dass der Oberfinanzdirektion Koblenz rund 300 Beseitigungsanträge vorliegen würden, die binnen fünf Jahren abgearbeitet werden sollten.
In dieser fast hoffnungslosen Situation blieb nur die Bündelung aller an der Erhaltung des Westwalls interessierten Gruppierungen und Einzelkämpfer in einem Verein. Die weitere Beseitigung, darüber war man sich auf der Gründungsversammlung einig, sollte vor allem durch intensive Pressearbeit, aber auch durch Gespräche mit Bürgermeistern und Behördenvertretern sowie mit Bundes- und Landtagsabgeordneten gestoppt werden. Schon zuvor war ein wichtiger Schritt gelungen: Auf Anregung von Dr. Klaus Backes, der als Redakteur des "Mannheimer Morgen" drei Seiten zum Thema verfasst hat, erschien im "Spiegel" vom 18. November 2002 ein zweiseitiger Bericht über den Westwall. Viele Zeitschriften und Zeitungen nahmen sich daraufhin des Themas an, auch mehrere Fernsehbeiträge wurden ausgestrahlt. Zudem zeichnete sich ein Umdenken in den Denkmalämtern der "Westwall-Bundesländer" Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Saarland und Nordrhein-Westfalen ab.
Dass der in Steinfeld aufgewachsene rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck die Bunker aus seiner Jugendzeit kennt und ein entschiedener Gegner der Beseitigung ist, erwies sich als großer Glücksfall. Am 28. Juli 2005 besuchte er mit vielen Behördenvertretern den Wald über Oberotterbach, wo er sich einen Eindruck von den verbliebenen Bunkern und Stellungen machte. Die Führung übernahm Dr. Karl Ludwig. Auch die Bundestagsabgeordneten Winkler (Grüne) und Göbel (CDU) hatten zuvor unser Informationsangebot angenommen und die Bunkerruinen besichtigt. Besondere Erwähnung verdienen Brigitte Schmalenberg und Lilo Hagen, Mitarbeiterinnen der Tageszeitung "Die Rheinpfalz", die sich dem Thema gegenüber sehr aufgeschlossen zeigten und unsere Argumente einer großen Leserschaft nahebrachten.

In Rheinland-Pfalz sind mittlerweile die Reste des Westwalls unter Schutz gestellt, ebenso in Baden-Württemberg. Aber wir müssen wachsam sein und reagieren: Nach einer für uns völlig unakzeptablen "Sicherung" von Bunkerruinen im Seiterswald bei Zweibrücken Ende 2005 haben wir uns an das Landesdenkmalamt, das Mainzer Umweltministerium und an Ministerpräsident Beck gewandt. Nach den von den Genannten erfolgten Reaktionen wird sich wohl Ähnliches nicht mehr wiederholen. Leider ist aus dem Saarland hin und wieder etwas über Beseitigungen zu vernehmen, und in Nordrhein-Westfalen scheint die Lage nach wie vor kritisch zu sein.

054992 062748 062749 062943 063181 063212 063225 063233 Kampfraum Rueckansicht Rueckansicht 1 Vorderansicht