Workshop Relikte des Kalten Krieges in Deutschland

Am 27./28. Februar fand in Fulda der Workshop "Relikte des Kalten Krieges in Deutschland" statt, organisiert von der Christian-Albrechts-Universität (Kiel).
Der Workshop war Bestandteil eines Forschungsprojektes von Dr. Gunnar Maus unter Leitung von Prof. Dr. Florian Dünckmann:

"Die Vergegenwärtigung der Vergangenheit ist ein gesellschaftlicher Prozess, an dem Viele beteiligt sind. Im Forschungsprojekt wird untersucht, wie historische Orte des Kalten Krieges Teil unseres kollektiven Gedächtnis werden – oder eben nicht. Wie funktionieren ‚Praktiken des Erinnerns‘? Am Beispiel der staatlichen Denkmalpflege, großer und kleiner Museen sowie von Geocachern und anderen ‚Entdeckern‘ sowie Hobby-Historikern wird untersucht, wie ‚Erinnerungslandschaften des Kalten Krieges‘ entstehen." (Dr. Gunnar Maus)
http://www.militarisiertelandschaft.uni-kiel.de/

Aus der Pfalz waren die IG Area One, Kindsbach und auch der VEWA vertreten. Aus den Vorträgen und Diskussionsrunden ging hervor, wie ähnlich die Metageschichten zum Denkmalschutz, Musealisierung und Kontextualisierung an Relikten des Kalten Krieges sind zu den gleichen Metageschichten der Westbefestigungen. Als Beispiel der umfangreiche Bestandsverlust, der kaum von meistens nur lokalen Akteuren aufgefangen werden kann. Eine Erfahrung, die der VEWA mit dem Rückbau des Stützpunktes am Ebenberg leider auch machen musste.
Es gibt jedoch auch bestechende Unterschiede, sichtbar in deutlich geringeren Berührungsängsten von Seiten der Denkmalbehörden, die in relativ frühzeitige Erfassungsbestrebungen resultieren. Im Vortrag von Dr. Gerhard Ongyerth (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege) "Denkmalfachliche Bewertung von Relikten des Kalten Krieges in Bayern: das Beispiel der Vorbereiteten Sperranlagen" wurde dargelegt, wie diese Erfassung schon kurz nach der Jahrtausendwende einsetzte. Dieses Bewusstsein für die "Erinnerungslandschaft des Kalten Krieges" sollte es in der gesamten Bundesrepublik geben, und gerade auch in Rheinland-Pfalz ist diese "Erinnerungslandschaft" noch allgegenwärtig, bedarf jedoch noch der weiteren Sensibilisierung in der Gesellschaft und in den Denkmalbehörden, bis auch hier, ähnlich wie für die Westbefestigungen, eine weitreichende Unterschutzstellung vorgenommen wird.


Patrice Wijnands - VEWA e.V.