Übernahme von Bunkerruinen durch das Land Rheinland-Pfalz

Am Freitag den 4. Januar 2013 war die Unterzeichnung des Vertrages, mit dem das Land Rheinland-Pfalz die Bunkerruinen des Westwalls auf seinem Territorium vom Bund übernimmt.

Das ist ein historisches Ereignis, nicht nur im Hinblick auf die Geschichte des Westwalls, sondern auch für dieses Land, das damit als erstes Bundesland in einem mutigen und beispielhaften Schritt nicht nur die Verantwortung für den Natur- und Denkmalschutz, sondern ab dem 1. Oktober 2014 auch für die Verkehrssicherung an diesen Ruinen übernimmt.

 
Minister-Präsident Kurt Beck und Werner Gatzer, Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen, unterzeichnen den Vertrag. Ebenfalls maßgeblich beteiligt an den Verhandlungen: Finanz-Staatssekretär Salvatore Barbaro (im Hintergrund rechts). Bild (c) Walter Stutterich.

 

Der Verein zum Erhalt der Westwall-Anlagen (VEWA) hat einen solchen Schritt lange befürwortet. Das war ein langer Weg: Schon in den 70ger Jahren plädierte unser Gründungsmitglied Walter Stutterich als einer der ersten für den Erhalt der Ruinen, und wies damals schon auf die wichtige Bedeutung für Artenvielfalt und Geschichtsbewußtsein hin. Trotzdem nahm die Zerstörung von Tausenden Ruinen im gesamten Westwall noch in den 80ger Jahren gewaltige Formen an. Jedoch erst Beseitigungen von Ruinen, die in den 90ger Jahren zunehmend Wald und Naturschutzgebiete betrafen, ließen die öffentliche Kritik anwachsen. Mit der Gründung der VEWA 2003 bündelten erstmals Historiker und Naturschützer ihre Anstrengungen, um über die Presse Druck auszuüben, durch die Teilnahme an behördliche Begehungen den Dialog mit der BImA erfolgreich zu führen und dem Thema im Land durch Publikationen und Führungen eine angemessene Aufmerksamkeit zu verleihen. Nur so konnten Denkmalschützer, Biologen, Naturschutzbehörden, Bürgermeister, Förster bis hin zum Umweltministerium, der Ministerpräsident und Landtagsabgeordnete erreicht werden. Dadurch setzte innerhalb der Landesregierung ein Umdenken ein. Der Beseitigungsstopp 2004 und die Unterschutzstellung als Flächendenkmal 2008 waren wichtige Stationen, und darin reiht sich die Übernahme der Standorte ein.

Jetzt geht es darum, dass das Land im Dialog mit allen Akteuren im Natur- und Denkmalschutz gemeinsam ein Konzept für eine vernünftige und angemessene Verkehrssicherung entwickelt, das deutlich mehr auf Eigenverantwortung setzt. Genau darauf zielt die aktuelle zweite Phase des unter Federführung des BUND geführten Projektes "Grüner Wall im Westen" ab, worin der BUND Rheinland-Pfalz, der VEWA und das Land Rheinland-Pfalz kooperieren.

Mit diesem Vertrag wird ein unübersehbares Zeichen gesetzt wie die heutige Generation mit diesem schweren Erbe umzugehen vermag. Deshalb ist der Tag der Unterzeichnung auch von historischer Bedeutung für die Bundesrepublik: Anstelle von jahrzehntelanger defacto Verdrängung von Geschichte durch die Tilgung der Bunkerruinen aus der Landschaft und damit aus dem Bewußtsein der Menschen, stellt sich nun auch zum Thema "Westwall" der Wille zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Denkmälern und Biotopen ein.

Ein weiteres Beispiel: Eine "funktionierende" Bunkerruine

Dieser gesprengte Unterstand unweit von Pirmasens ist nicht eingezäunt und die langjährigen Untersuchungen durch Walter Stutterich (BUND/VEWA) zeigen, dass sich die Wildkatze und der Luchs hier aufhalten. Eine undurchlässige Einzäunung würde diese Habitatfunktion beenden.

Ganz abgesehen von der Diskussion über Sinn und Zweck von Zäunen, über ihre rechtliche und physische Haltbarkeit: Wenn es dann nach einer Klassifizierung der Standorte nach Gefährdungspotential ein Zaun sein muss, dann bitte so, dass ein differenzierter Zugang im Sinne der Habitatfunktion möglich bleibt.

 

































Die europäische Spinne des Jahres 2012

Auch in dieser Bunkerruine kommt sie vor: Meta menardi, die Große Höhlenspinne. Eine typische Art in Höhlen, alten Gewölben und auch in Bunkern:

Mehr dazu hier.

Bild: (c) Walter Stutterich

Medienkompetenz im Umgang mit Standortdaten

Genau das möchte ich helfen entwickeln: Medienkompetenz. Nicht nach einem gelungenen Spaziergang durch den Pfälzer Wald aus lauter Begeisterung eine ganze Forumsseite befüllen mit zig Bildern und Ortsnamen von gesprengten Bunkern. Nicht gleich das Foto vom Bunker am Ortsrand bei Flicker, Picasa oder wie die alle heißen "getaged" ins Netz stellen. Hängt nicht an einem alten Forumsthread deinen ersten Beitrag dran, dass Du gestern auch dort warst und dass man übrigens jetzt über ein neues Loch im Zaun auf der Rückseite hineinkommt. Bedenke, dass Du mit dem Internet weit mehr Menschen erreichen kannst, als Du Dir vorstellst. Bedenke, dass Dein gelungener Geocache einen Besucherstrom auslösen kann, der Anwohner verunsichert, Förster verärgert, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben Arbeit beschert, Tiere verscheucht und Pflanzen zertrampelt. Wenn schon die Besucher allein keine Schäden anrichten, dann kann das die Reaktion auf die Besucher schon.
Ich will hier jedoch nicht falsch verstanden werden: Ich fordere keinesfalls ein Verbot auf Veröffentlichungen zum Thema Westwallbunker, wir leben in einer Demokratie und es gilt nach wie vor die Meinungsfreiheit. Ich will nur aufzeichnen, dass ein verschlossener Luftschutzbunker in der Stadt ganz andere Rahmenbedingungen für Veröffentlichungen bietet als die Ruine eines Bunkers im Wald oder am Rand einer Ortschaft. Deshalb: Veröffentliche bitte mit Vernunft. Wer öffentliche Medien zur Verbreitung von Wissen nutzen will, sollte verstehen, wie diese Medien funktionieren.

Schon vorhandene Standortdaten im Internet

Ein viel gehörtes Argument gegen einen vorsichtigen Umgang mit Standortdaten ist, dass bei GoogleEarth doch eh schon alle Standorte "drin" sind. Tatsächlich haben sich einige Menschen die Mühe gemacht und KML-Dateien mit den Standorten des Symbols "Ehemaliger Bunker" aus (vor allem älteren) topographischen Karten veröffentlicht. Leider geschah diese Veröffentlichung ohne Bewusstsein für die Folgen und zum Glück ohne Wissen um die Datenqualität. Es handelt sich meistens um beseitigte Standorte und nicht um Ruinen, woraus was zu "holen" ist, oder die für die Verkehrssicherung noch relevant sind. Trotzdem, dieses schlechte Beispiel sollte man nicht auch noch um "bessere Daten" ergänzen.

Und Geocaching? Da ist das nächste Problem: In Unkenntnis über den komplexen Hintergrund werden Massen von Menschen zu Stollen und Bunkern gelockt. Ich weiß, das ist auch eine Art von Nutzung und ein berechtigtes Interesse. Jeder hat das Recht, diese Bauwerke zu sehen. Es geht hier abermals um überschneidende Interessen, und die brauchen ein Gleichgewicht. Benötigt wird ein Dialog, denn die Geocaching-Gemeinschaft hat schon längst Mechanismen zur Sensibilisierung für sich überschneidende Interessen aufgebaut.

Plünderung

Einen letzten abträglichen Faktor will ich noch vor Augen führen: Raub. Wenn man allein bei Ebay sieht, was für Stahlteile, die aus Bunkern "geborgen" wurden, verlangt und geboten wird, braucht man sich nicht zu wundern. Als das mit dem Ausräumen von Opas altem Speicher anfing, war es noch lustig. Was da alles zum Vorschein kam! Jetzt hat sich so etwas wie ein "Markt" gebildet, und Bauteile werden regelrecht aus Bunkerruinen herausgebrochen, -gesägt und -gemeißelt. Der hohe Preis für Metalle kommt hinzu. Ich bin der Ansicht, dass man durch Veröffentlichungen mit Standortdaten diese Praxis nicht auch noch unterstützen soll. Und wer es noch nicht weiß: Bunker und ihr Inventar sind kein herrenloses Gut. Bauteile aus Bunkern "auszubauen" ist Diebstahl und damit eine Straftat. Denkmäler vorsätzlich zu beschädigen ist kriminell. Wer diese Sachen kauft ohne die Herkunft zu hinterfragen, unterstützt diese Praxis und macht sich genau genommen ebenfalls strafbar. Ich bitte Alle: Macht da nicht mit.