Ein weiteres Beispiel: Eine "funktionierende" Bunkerruine

Dieser gesprengte Unterstand unweit von Pirmasens ist nicht eingezäunt und die langjährigen Untersuchungen durch Walter Stutterich (BUND/VEWA) zeigen, dass sich die Wildkatze und der Luchs hier aufhalten. Eine undurchlässige Einzäunung würde diese Habitatfunktion beenden.

Ganz abgesehen von der Diskussion über Sinn und Zweck von Zäunen, über ihre rechtliche und physische Haltbarkeit: Wenn es dann nach einer Klassifizierung der Standorte nach Gefährdungspotential ein Zaun sein muss, dann bitte so, dass ein differenzierter Zugang im Sinne der Habitatfunktion möglich bleibt.

 

































Die europäische Spinne des Jahres 2012

Auch in dieser Bunkerruine kommt sie vor: Meta menardi, die Große Höhlenspinne. Eine typische Art in Höhlen, alten Gewölben und auch in Bunkern:

Mehr dazu hier.

Bild: (c) Walter Stutterich

Medienkompetenz im Umgang mit Standortdaten

Genau das möchte ich helfen entwickeln: Medienkompetenz. Nicht nach einem gelungenen Spaziergang durch den Pfälzer Wald aus lauter Begeisterung eine ganze Forumsseite befüllen mit zig Bildern und Ortsnamen von gesprengten Bunkern. Nicht gleich das Foto vom Bunker am Ortsrand bei Flicker, Picasa oder wie die alle heißen "getaged" ins Netz stellen. Hängt nicht an einem alten Forumsthread deinen ersten Beitrag dran, dass Du gestern auch dort warst und dass man übrigens jetzt über ein neues Loch im Zaun auf der Rückseite hineinkommt. Bedenke, dass Du mit dem Internet weit mehr Menschen erreichen kannst, als Du Dir vorstellst. Bedenke, dass Dein gelungener Geocache einen Besucherstrom auslösen kann, der Anwohner verunsichert, Förster verärgert, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben Arbeit beschert, Tiere verscheucht und Pflanzen zertrampelt. Wenn schon die Besucher allein keine Schäden anrichten, dann kann das die Reaktion auf die Besucher schon.
Ich will hier jedoch nicht falsch verstanden werden: Ich fordere keinesfalls ein Verbot auf Veröffentlichungen zum Thema Westwallbunker, wir leben in einer Demokratie und es gilt nach wie vor die Meinungsfreiheit. Ich will nur aufzeichnen, dass ein verschlossener Luftschutzbunker in der Stadt ganz andere Rahmenbedingungen für Veröffentlichungen bietet als die Ruine eines Bunkers im Wald oder am Rand einer Ortschaft. Deshalb: Veröffentliche bitte mit Vernunft. Wer öffentliche Medien zur Verbreitung von Wissen nutzen will, sollte verstehen, wie diese Medien funktionieren.

Schon vorhandene Standortdaten im Internet

Ein viel gehörtes Argument gegen einen vorsichtigen Umgang mit Standortdaten ist, dass bei GoogleEarth doch eh schon alle Standorte "drin" sind. Tatsächlich haben sich einige Menschen die Mühe gemacht und KML-Dateien mit den Standorten des Symbols "Ehemaliger Bunker" aus (vor allem älteren) topographischen Karten veröffentlicht. Leider geschah diese Veröffentlichung ohne Bewusstsein für die Folgen und zum Glück ohne Wissen um die Datenqualität. Es handelt sich meistens um beseitigte Standorte und nicht um Ruinen, woraus was zu "holen" ist, oder die für die Verkehrssicherung noch relevant sind. Trotzdem, dieses schlechte Beispiel sollte man nicht auch noch um "bessere Daten" ergänzen.

Und Geocaching? Da ist das nächste Problem: In Unkenntnis über den komplexen Hintergrund werden Massen von Menschen zu Stollen und Bunkern gelockt. Ich weiß, das ist auch eine Art von Nutzung und ein berechtigtes Interesse. Jeder hat das Recht, diese Bauwerke zu sehen. Es geht hier abermals um überschneidende Interessen, und die brauchen ein Gleichgewicht. Benötigt wird ein Dialog, denn die Geocaching-Gemeinschaft hat schon längst Mechanismen zur Sensibilisierung für sich überschneidende Interessen aufgebaut.

Plünderung

Einen letzten abträglichen Faktor will ich noch vor Augen führen: Raub. Wenn man allein bei Ebay sieht, was für Stahlteile, die aus Bunkern "geborgen" wurden, verlangt und geboten wird, braucht man sich nicht zu wundern. Als das mit dem Ausräumen von Opas altem Speicher anfing, war es noch lustig. Was da alles zum Vorschein kam! Jetzt hat sich so etwas wie ein "Markt" gebildet, und Bauteile werden regelrecht aus Bunkerruinen herausgebrochen, -gesägt und -gemeißelt. Der hohe Preis für Metalle kommt hinzu. Ich bin der Ansicht, dass man durch Veröffentlichungen mit Standortdaten diese Praxis nicht auch noch unterstützen soll. Und wer es noch nicht weiß: Bunker und ihr Inventar sind kein herrenloses Gut. Bauteile aus Bunkern "auszubauen" ist Diebstahl und damit eine Straftat. Denkmäler vorsätzlich zu beschädigen ist kriminell. Wer diese Sachen kauft ohne die Herkunft zu hinterfragen, unterstützt diese Praxis und macht sich genau genommen ebenfalls strafbar. Ich bitte Alle: Macht da nicht mit.

Ein Beispiel von was man besser nicht tut

Stellen Sie sich vor, dass ich das Dokumentationsblatt von diesem Bunker unter Nennung der korrekten Nummer, Ortsangaben und/oder Koordinaten im Internet, vielleicht sogar als spannenden Geocache veröffentlichen würde. Was kann dann passieren?

 

 

- Zwangsläufig zieht man mehr Besucher an. Das wollte man doch erreichen? Das kann man haben: Je mehr Publikumsverkehr erzeugt wird, desto stärker werden Fahrspuren, Trampelpfade und Müllablagerung gebildet und das schadet die Vegetation.

- Als Folge fühlen sich manche Tierarten gestört und meiden ihren dortigen Nestplatz, Liegekuhle oder Jagtrevier.

- Anwohner, Grundstückseigentümer, Pächter, Landwirte, Jäger oder Förster fühlen sich gestört und versuchen den Publikumsverkehr zu unterbinden. In der Vergangenheit reichte in einigen Fällen ein Beseitigungsantrag beim Bundesvermögensamt um den Abbruch herbei zu führen. Andernorts greift man noch immer zur Selbsthilfe und schüttet Zugänge mit Erdreich oder Holzabfällen zu.

Es ist naiv zu glauben, dass ein Bunkerbild, eine Google Earth KML-Datei oder ein Forumsbeitrag nicht schaden kann.Viele (private) Grundstückseigentümer schauen sich ihren Besitz in Google Earth an. Können Sie sich vorstellen, wie schnell zugeschüttet wird, wenn jemand anders mit einem GPS-Punkt und schönen Bildchen für den Bunker auf diesem Grundstück "wirbt" und eine Woche später der Zaun aufgebrochen wird? - Patrice Wijnands, VEWA e.V.