Unkenntnis und Vorurteile

Es gibt einen wichtigen Faktor, der durch die Veröffentlichung von Standorten zu einer Verschlechterung des Erhaltungszustandes führt: Anwohner, Landwirte und örtliche Behörden sind auf  "Bunkertourismus" in der Regel nicht vorbereitet, manchmal wird Rechtsextremismus befürchtet, und dann liegt schnell eine Ladung Sand drüber.

(Ich sage euch ehrlich: In all den Jahren zwischen Betonbrocken, zwischen den Symbolen der "Niederlage" sind mir noch nie Nazis begegnet, die dort ihre "Gedenkstätte" hätten. Warum auch? Aber eins gibt es: Besucher in militärischer Bekleidung tragen zu einem negativen Erscheinungsbild bei.)

Hier sind zwei Komponenten zu unterscheiden: Zum einen die Anwohner und örtlichen Behörden, zum anderen die Besucher, die in kleineren oder größeren Anzahlen anfallen, worauf ich später noch zu sprechen komme.

Anwohner, Grundstückseigentümer, Förster, Jäger, Pächter, Landwirte und örtliche Behörden wissen oft nicht, was man mit den alten Betonbrocken anfangen soll und zerstören und übererden sie manchmal. Unkenntnis und Vorurteile spielen hier eine wichtige Rolle. Eine Lösung kann in gezielten Veröffentlichungen liegen, in einem kleinen Gebiet, begleitet von Führungen und Vorträgen und sogar mit Standortdaten. Das fördert Verständnis und Wissen, kostet aber eben Arbeit.
- Patrice Wijnands, VEWA e.V.

Ein echt deutsches Thema: Verkehrssicherung kontra Denkmalschutz

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich die Bundesrepublik sehr bemüht, damit von den gesprengten Resten der "Westbefestigungen" keine Gefahren für Anwohner ausgehen und dass sie die Entwicklung von Siedlungen und Infrastruktur nicht beeinträchtigen. Seit ich als fünfzehnjähriger niederländischer "Grenzgänger" bei Aachen anfing den Zweck und das Schicksal der einst so zahlreichen Bunker zu hinterfragen und erst mal gar nichts mehr fand, drängte sich der Gedanke auf, dass man die Bunkerruinen einfach nicht schön fand und deshalb ein Stück Geschichte mit Meißel, Bagger und viel Geld aus dem Bewusstsein der Menschen entfernte. Bezahlt wurde das vor allem durch das Bundesfinanzministerium und begründet mit Verkehrssicherung. Nun möchte ich anmerken, dass ich kein anderes Land in Europa kenne, dass sich soviel Sorgen macht um seine ehemaligen Befestigungsanlagen und soviel Mittel aufwendet um sie zu "sichern" oder zu entfernen.

Weiterlesen: Ein echt deutsches Thema: Verkehrssicherung kontra Denkmalschutz

Über die Veröffentlichung von Standortdaten von modernen Denkmälern

Dass sich die Veröffentlichung von Standorten von (gesetzlich geschützten) Denkmälern manchmal negativ auf den Erhaltungszustand auswirkt, ist kein neues Problem. Raubgrabungen und Vandalismus haben von jeher Grabhügel und als "alter Schrott" empfundene Bauwerke zugesetzt.
Jetzt geht es um eine neuzeitliche Form von "Grabhügeln": Um ehemalige Bunkeranlagen aus der historisch "belasteten" Periode 1930-1945. Die finden sich in der Bundesrepublik u.A. als ehemalige Befestigungsanlagen entlang der westlichen Grenze zwischen Kleve und Basel, also von Nordrhein-Westfalen über Rheinland-Pfalz, das Saarland bis nach Baden-Württemberg. Es handelt sich um mehrere Teilsysteme, jedes mit seinem eigenen historischen und konzeptionellen Hintergrund und Bauzeit, wovon einige seinerzeit um 1937 noch unter dem Begriff "Westbefestigungen" geplant und gebaut wurden.

Weiterlesen: Über die Veröffentlichung von Standortdaten von modernen Denkmälern