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Verkehrssicherung vs. Denkmalschutz

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich die Bundesrepublik sehr bemüht, damit von den gesprengten Resten der "Westbefestigungen" keine Gefahren für Anwohner ausgehen und dass sie die Entwicklung von Siedlungen und Infrastruktur nicht beeinträchtigen. Seit ich als fünfzehnjähriger niederländischer "Grenzgänger" bei Aachen anfing den Zweck und das Schicksal der einst so zahlreichen Bunker zu hinterfragen und erst mal gar nichts mehr fand, drängte sich der Gedanke auf, dass man die Bunkerruinen einfach nicht schön fand und deshalb ein Stück Geschichte mit Meißel, Bagger und viel Geld aus dem Bewusstsein der Menschen entfernte. Bezahlt wurde das vor allem durch das Bundesfinanzministerium und begründet mit Verkehrssicherung. Nun möchte ich anmerken, dass ich kein anderes Land in Europa kenne, dass sich soviel Sorgen macht um seine ehemaligen Befestigungsanlagen und soviel Mittel aufwendet um sie zu "sichern" oder zu entfernen.Als seit den 80er Jahren die "Bunkerbeseitigung" auch vor ausgedehnten Waldgebieten, Naturschutzgebieten und historischen Stätten keinen Halt machte, wuchs der Widerstand von Seiten der Historiker, Naturschützer, Denkmalschützer, Bunkerfreunde und Anwohner heran. Es war eine schizophrene Situation: Auf der einen Seite wurden von Bund und Ländern Steuergeld aufgewendet um Denkmäler zu restaurieren oder gar Biotope anzulegen, auf der anderen Seite beharrte das damalige "Bundesvermögensamt" auf die notwendige Verkehrssicherung und zerstörte sie. Einzelne Veröffentlichungen schienen den "föderalen Vandalismus" jedoch geradezu zu fördern, weil Standorte veröffentlicht wurden. Womit wir beim Thema sind.

Ende 2002 hinterfragte die Zeitschrift "Der Spiegel" den Sinn der Geschichtsvernichtung, und Spiegel-TV strahlte 2003 einen Dokumentarfilm darüber aus. Zwischen 2004 und 2009 richteten die vier "Westwall-Bundesländer" gesetzliche Schutzvorkehrungen ein, und der Bund für Umwelt und Naturschutz bietet mit dem Projekt "Grüner Wall im Westen" ein Forum, worin Bund, Länder, Denkmalschützer und Naturschützer versuchen, die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bekommen. Als alternative Verkehrssicherung wird inzwischen erneut eingezäunt. Auch das kostet Geld, führt zu Abholzungen und Beschädigungen an den Standorten und sperrt nebenbei Tiere aus.

Am liebsten gar keine Zäune, rufen viele, weil es gibt zig hunderte Standorten in der Eifel, im Hunsrück, in der Pfalz und in den Rheinauen, die keinem Stören und wo noch nie jemand zu Schaden gekommen ist.
Trotzdem, so einfach ist es nicht: Eine Lösung für die juristische Klemme.

 

 

Patrice Wijnands - VEWA e.V.